| Klassiker des Monats |
Vita
Sackville-West
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Auf
unserer neuen Seite Klassiker
des Monats finden Sie jeden Monat unsere Empfehlung eines Klassikers:
Man lacht mit, aber auch über Evelyn, man bemitleidet sie und ärgert sich über sie In der gleichen Ausstattung wie Emile Zolas "Das Paradies der Damen" und Edith Whartons "Traumtänzer" ist jetzt in der edition ebersbach ein weiterer zu Unrecht vergessener Klassiker erschienen. Vita Sackville-West, bei uns heute allenfalls noch bekannt als Freundin Virginia Woolfs und Begründerin des berühmten Gartens Sissinghurst, hat zwischen 1930 und ihrem Tod 1962 mehr als 50 Romane und Reisebeschreibungen veröffentlicht. Neben ihren Gartenbüchern sind zur Zeit noch ihr Reisebericht "Zwölf Tage in Persien" und "Schloss Chevron" auf dem deutschen Buchmarkt zu finden. Die Frau von vierzig Jahren ist Evelyn Jarrold, Witwe, allein erziehende Mutter einen siebzehnjährigen Sohnes, die von ihrem Schwiegervater verehrt wird, in der Gesellschaft angesehen ist und vor allem auf Konventionen Wert legt. Ihr gesamtes Leben und Weltbild gerät ins Wanken, als sie sich in einen Mann verliebt, der mehr als 15 Jahre jünger ist als sie und sich politisch für die Arbeiterklasse engagiert. Er stört sich nicht an dem Altersunterschied und bietet ihr die Ehe an. Sie ist über ihr Verhalten schockiert, kann sich nicht entschließen ihren Gefühlen zu vertrauen und muss dann feststellen, dass ihr Geliebter unter Liebe etwas anderes versteht als sie. Vita Sackville-West schildert das Leben einer Frau, wie sie es selbst nie akzeptiert hätte, dass aber für die damalige Zeit, in der gesellschaftlichen Schicht selbstverständlich war. Ironisch, teilweise böse werden die gesellschaftlichen und zwischenmenschlichen Beziehung geschildert. Man lacht mit, aber auch über Evelyn, man bemitleidet sie und ärgert sich über sie. Und kann Harold Nicolson, dem Ehemann von Sackville-West nur zustimmen: "Eine Frau von vierzig Jahren ... gelesen und viel gewein." Vielen Dank, Frau Ebersbach, dass Sie dieses Kleinod ausgegraben haben.
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Charlotte Brontë: Hörbuch
(7 CDs) |
Tempotuch bereithalten Im Urlaub sahen wir die BBC-Verfilmung (1983) des englischen Romantik-Klassikers (vier Stunden) an drei Abenden hintereinander. Das war der Anlass, den Roman - kaum wieder zuhause angekommen - aus dem Regal zu nehmen und bei Tee und Scones erneut zu verschlingen. Da stimmt einfach alles: die selbstbewusste, kluge, mutige, ihre leidenschaftliche Liebe zügelnde Jane; der problematische, um seiner Liebe willen alle Konventionen überspringende Mr. Rochester; die bildschöne Nebenbuhlerin, dümmlich und hochnäsig; die Atmosphäre der englischen Landschaft und Pfarrhäuser; die Erwartung eines Happy-Ends nach verwickelter Handlung mit flackerndem Kerzenlicht im düsteren Herrenhaus, in dem man Gespenster zu sehen meint... Verfilmungen: GB 1983
(BBC) GB 1997 GB 2006
(BBC)
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Agnes
Günther: |
Ein heimlicher Bestseller der Schwaben Der Roman, z. Zt. in der 144. Auflage lieferbar, ist 1913, zwei Jahre nach dem Tod der Autorin erschienen und bis heute ein heimlicher Bestseller. In Norddeutschland kennt niemand die Autorin, während sie im Schwäbischen immer wieder neu gelesen wird. "Kindlers Literatur Lexikon" stellt den Roman neben die Werke von Hedwig Courths-Mahler, betont aber, dass diese sehr viel anspruchsloser und naiver sind als die "Die Heilige und ihr Narr". Geschrieben um 1911, gehört der Roman sowohl vom Sujet als auch von der Sprache her eher in die Zeit der Romantik; ein Märchenroman. Im Mittelpunkt der Handlung steht die junge Rosmarie, das Seelchen, Tochter des Fürsten von Brauneck. Rosmarie gilt als versponnen und eigenwillig. Schon als 15-Jährige verliebt sie sich in Harro von Thorstein, einen verarmten Adligen und Künstler; eine Seelenverwandschaft. Erst als Rosmarie schwer erkrankt und nur ihre Liebe zu Harro sie retten kann, erlaubt der Fürst die Ehe. Wenige, glückliche Jahre sind dem Paar beschieden, denn die böse Stiefmutter neidet dem Seelchen ihr Glück. Erzählt man den Inhalt so knapp, klingt es kitschig und kein Klischee wird ausgelassen. Doch man kann sich der eigenwilligen Sprache und dem Sog der Geschichte nicht entziehen. Mir hat das Lesen dieses Romans sehr viel Spaß gemacht, auch wenn etliche Taschentücher nass wurden.
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Charles
Dickens:
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Am 7. Februar feiern wir den 200. Geburtstag von Charles Dickens. In ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, arbeitete sich Dickens zum größten englischen Dichter des 19. Jahrhunderts hoch. Sein erster Erfolg war der Fortsetzungsroman "Die Pickwickier" und den Durchbruch schaffte er mit "Oliver Twist". Weihnachten ohne Dickens Erzählungen ist nicht vorstellbar. Mit "David Copperfield" hat er so etwas wie seine Autobiografie geliefert. Daneben schrieb er aber auch Krimis, wie z.B. "Das Geheimnis des Edwin Drood", gerade in Neuübersetzung im Manesse-Verlag (24,95 Euro) erschienen, oder Liebesromane wie "Eine Geschichte aus zwei Städten" (insel klassik, 9,95 Euro). Von Mary und Charles Dickens, zwei der zehn Kinder, liegt jetzt auch "Unser Vater Charles Dickens" erstmals in deutscher Sprache vor (Aufbau Verlag 14,99 Euro). SP Lucia Kirchner stellt Ihnen ihr Lieblingsbuch von Charles Dickens vor: Charles Dickens »Große Erwartungen« Der Waisenjunge Pip wächst in der nebligen Marschlandschaft der Themse-Mündung bei seiner Schwester und ihrem Mann Joe, einem Schmied auf. Von diesem wortkargen Handwerker erfährt er Zuwendung und erhält eine Berufsausbildung. Durch seltsame Zufälle stellt ihm ein unbekannter Gönner ein Vermögen in Aussicht und er kann mit »großen Erwartungen« ein neues und sorgenfreies Leben in London führen. Wie ihn der Reichtum verändert, welche Irrungen und Wirrungen ihm bevorstehen und wie seine Zukunft sich unerwartet wieder völlig anders darstellt, hat Charles Dickens in diesem Werk herrlich ironisch reflektiert und unterhaltsam erzählt. Rechtzeitig zum 200. Geburtstag von Dickens 2012 liegt dieser Klassiker nun in der exzellenten Neuübersetzung von Melanie Walz vor. Englische Originalausgabe: »Great Expectations« ca. 7,50 Euro
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Robert
Louis Stevenson
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Eine Liebesgeschichte um einen eloquenten, witzigen und wagemutigen Helden Es ist die Zeit der napoleonischen Kriege, als der französische Soldat St. Ives de Kéroual in englische Gefangenschaft gerät und in Edinburgh inhaftiert wird. Dort verliebt er sich in die junge Schottin Flora. Um sie erobern und nach Frankreich zurückkehren zu können, flieht er aus dem Kerker. Es folgt eine spannende Flucht durch karge Landschaften, auf der St. Ives, der eloquente, witzige und wagemutige Held dieser Geschichte, einige Gefahren zu meistern hat. Der Roman ist in diesem Jahr erstmals in vollständiger Übersetzung erschienen. Ein großes Lesevergnügen. Englische Originalausgabe: »St. Ives« ca. 13,99 EUR
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Edith Wharton |
Der Sohn eines Immobilienspekulanten wird Shooting-Star der New Yorker Literaturszene Edith Wharton gehört zu den bedeutendsten amerikanischen Schriftstellern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 1921 erhielt sie als erste Frau den Pulitzer-Preis und 1923 als erste Frau die Ehrendoktorwürde der Universität Yale. 1993 verfilmte Martin Scorsese "Die Zeit der Unschuld". Dennoch geriet ihr Werk nicht nur in Deutschland vollkommen ins Vergessen. Wieder ist es der Edition Ebersbach zu verdanken, dass diese Autorin neu entdeckt werden kann. Im Frühjahr erschien dort "Die Zeit des Vergessens" in einer Neuübersetzung unter dem neuen Titel "Traumtänzer". Dieses Buch bespreche ich im Schubart-Brief Winter 2011/2012 (erhältlich in der Schubart-Buchhandlung, meine Besprechung allein auch unten auf dieser Seite). Im vorliegenden Roman steht Vance Weston, Sohn eines Immobilienspekulanten aus der amerikanischen Provinz, im Mittelpunkt. Er will Schriftsteller werden und sich in New York etablieren, gegen die Vorstellung seiner Eltern. Nach einer schweren Krankheit reist er zur Erholung nach Paul’s Landing, wo er Heloise Tarrant kennen lernt, die ihn in die Welt der Literatur einführt. Mit einer Kurzgeschichte, die in der Literaturzeitung von Heloises Mann veröffentlicht wird, wird Vance zum Shooting-Star der New Yorker Society. Sensibel beschreibt Wharton die persönliche und schriftstellerische Entwicklung des jungen Mannes und analysiert gleichzeitig kritisch, ja teilweise bissig den scheinheiligen Literaturbetrieb. Ein Buch, das heute noch genauso aktuell ist, wie zur Zeit seiner Entstehung. Engl. Originalausgabe: Hudson River Bracketed 23,40 EUR
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Thomas
Wolfe |
Ein großer Autor des 20. Jahrhunderts wird wieder entdeckt Thomas Wolfe (bitte nicht verwechseln mit Tom Wolfe, den Autor des "Fegefeuers der Eitelkeiten"), geboren 1900, stammt aus einfachen Verhältnissen, schaffte es nach Harvard, wurde mit seinem Erstling "Schau heimwärts, Engel" in Amerika berühmt und starb, kurz nach Erscheinen von "Party bei den Jacks" 38-jährig an Tuberkulose. Frederick Jack lebt als reicher Bankier in New York. Er und seine Frau Esther haben sich arrangiert: Man liebt sich nicht, aber man zeigt nach außen ein glückliches Familienleben. Die Party bei den Jacks wird vorbereitet. Mal aus der Perspektive von Esther, dann wieder aus der Sicht von Frederick werden Vorbereitung und Party geschildert. Esthers Blick gilt den Gästen, den Äußerlichkeiten und vor allem ihrem Liebhaber. Frederick hingegen wendet sich immer wieder der eigenen Vergangenheit zu: der Kindheit in Frankfurt, wo er als Jude in der Schule verhöhnt wurde, die "Flucht" nach Amerika, sein ökonomischer und gesellschaftlicher Aufstieg, der Besuch in der alten Heimat, der so ganz anders verläuft, als er es sich immer erträumt hat. Auch wenn der Abend äußerlich fast mit einer Katastrophe endet, geht Frederick am Ende des Romans mit einem Lächeln und dem Bewusstsein, ein großes Abenteuer erlebt zu haben, ins Bett, in Erwartung eines neuen schönen Tages. Ein Tag im Leben der Jacks eröffnet den Blick auf die Roaring Twenties und die beginnende Depression in New York. Großartig beschreibt Wolfe diese Zeit und ihre Menschen. Zu Recht wird dieses Werk von Wilhelm Faulkner als ein Schlüsselwerk der US-Moderne bezeichnet. Engl. Originalausgabe: The Party at Jack's ca. 23,99 EUR
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Edith
Wharton |
Edith
Wharton Susy und Nick lernen sich auf einer Party kennen. Beide sind auf der Suche nach dem Glück, d.h. auf der Suche nach einem reichen Ehepartner. Bis es soweit ist, heiraten die beiden. Reiche Freunde stellen ihnen eine Villa am Comer See und einen Palazzo in Venedig zur Verfügung. Doch dann erfährt Nick, dass alles seinen Preis hat. Den Palazzo hat man ihnen zur Verfügung gestellt, damit Susy den Ehebruch der Freundin verdeckt. Eine amüsante Komödie? Ja, aber gleichzeitig auch ein kritisches Bild einer untergegangenen Gesellschaft. Dank der edition ebersbach ist der bereits 1922 erschienene Roman endlich auf Deutsch erhältlich.
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Jahrelang war Zolas »Das Paradies der Damen« nur als Taschenbuch lieferbar. Jetzt gibt es wieder die gebundene Ausgabe (ed. ebersbach, 26,00 EUR). |
»Das Paradies der Damen« erschien 2002 bei der Edition Ebersbach in einer Neuübersetzung. Von der Lektüre begeistert und über die Aktualität des Buches erstaunt, haben wir das Buch »erfolgreicher als jede andere Buchhandlung in Deutschland«, so die Verlegerin Brigitte Ebersbach, verkauft. Jetzt hat der Verlag die gebundene Ausgabe wieder drucken lassen.
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